Berührend

Belker war zehn Jahre alt, als er unheilbar an Krebs erkrankte. Der Hund gehörte einem kleinen Jungen namens Shane; der war gerade eingeschult worden, und ich wusste, dieses Tier war die Welt für ihn. Belker hatte Shane das Laufen und Schwimmen beigebracht. Er begleitete ihn jeden Tag die drei Kilometer zur Schule und holte ihn pünktlich am Nachmittag wieder ab. Zu Halloween waren die beiden in fast identischen Piratenkostümen unterwegs gewesen und das erste Bild, das Shane je gemalt hatte zeigte Belker. Belker auf einer grünen Wiese mit Blümchen. Sein Belker. Ich stellte die Diagnose und wusste, dass es keine Heilung gab für diesen Hund. Nur ein schnelles, gnädiges Ende. Die Familie willigte ein. Belker sollte seine letzte Reise zu Hause im Kreis seiner Lieben antreten. Es war ein Freitag. Die Sonne schien. Shane kniete auf dem Rasen im Garten. Belkers Kopf ruhte in seinem Schoß. Ich betrachtete den Jungen mit seinem Hund – diesem Hund, der in seinen Armen starb, und mir fehlten die Worte.
Als es vorüber war, sprach ich leise mit den Eltern des Kindes.  „Es ist manchmal schwer zu begreifen, dass das Leben eines Tieres so kurz sein muss.“ Sage ich. Da sah Shane plötzlich auf und erwiderte: „Ich weiß, warum das so ist.“ Überrascht schauten wir ihn an. Er hatte keine Träne vergossen, nur still bei Belker gesessen und seinen Kopf gestreichelt. Doch jetzt sage er:“ Die Menschen werden geboren, um zu lernen, wie sie ein guten Leben führen, stimmt’s? Wie sie lieben und teilen und zu allen freundlich sein können. Na ja, Hunde müssen das nicht lernen. Sie wissen doch schon, wie es geht. Deswegen müssen sie auch nicht so lange bleiben.“
Das ist jetzt fast zehn Jahre her und bis heute haben mich Shanes Worte nicht losgelassen. Die Worte eines Sechsjährigen, in denen so viel Wahrheit liegt. Denn es ist doch so: Wer das Glück hat, einen Hund als Lehrer zu haben, lernt die einfachen Weisheiten des Lebens. Zum Beispiel dies: Wenn deine Lieben heimkommen, begrüße sie. Verpasse nie die Gelegenheit, eine Spritztour zu machen. Lass dem Gefühl der puren Begeisterung freien Lauf, wenn du glücklich bist und lass es zu, dass Menschen dich berühren. Beiße nie, wenn ein Grummeln es auch tut, und wenn du dich freust, tanze vor Glück. Genieße das Abenteuer eines simplen Spaziergangs. Bleib neugierig. Sei treu. Und wenn jemand einen schlechten Tag hat, gib ihm einen kleinen Stupser. Das Leben ist kurz. Zu kurz um etwas anderes als glücklich zu sein.

Autor: Unbekannt
Erschienen in: Unbekannt

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